Wie kommen wir mit der KI aus, Herr Gabriel?
Shownotes
Aus dem Hype um künstliche Intelligenz wird immer mehr ein Strudel von Sorgen und Ängsten. Tatsächlich ist weiterhin unklar, was die Technologie für den Einzelnen bedeutet und was sie mit der Gesellschaft machen wird. Einigkeit herrscht zurzeit einzig darüber, dass KI kein vorübergehendes Phänomen ist und sie eine völlig neue Herausforderung darstellt.
Einer, der klare Vorstellungen zum sinnvollen Umgang mit künstlichen Intelligenz hat, ist Markus Gabriel. Der deutsche Philosoph plädiert für ein neues Miteinander von Mensch und Maschine: Im Austausch mit der Technologie sollen wir unsere moralische Aufmerksamkeitsspanne schärfen. Gabriel schwebt vor, dass wir an der KI zu moralisch besseren Individuen werden können. Doch was bleibt vom Innersten des Menschen, wenn er sich so eng an Rechner bindet?
In der neuen Podcast-Folge von «NZZ Standpunkte» spricht der NZZ-Chefredaktor Eric Gujer mit Markus Gabriel, Professor der Philosophie an der Universität Bonn und Autor des Buches: «Ethische Intelligenz. Wie KI uns moralisch weiterbringen kann», Ullstein, 2026.
Gast: Markus Gabriel, Professor für Philosoph Host: Eric Gujer, NZZ-Chefredaktor
Die Sendung zum Nachschauen gibt es hier.
Exklusiv für dich als Podcast-Fan: 7 Tage NZZ-Digitalabo geschenkt. Unverbindlich testen.
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo, ich bin Erik Gouya, Chefredakteur der NZZ.
00:00:04: Und das sind die NZZ-Standpunkte, die ihr vielleicht schon aus dem Fernsehen kennt.
00:00:09: Dort debattiere ich jeden Monat mit einem Gast und jetzt geht es los!
00:00:27: Fragt man zwei Leute nach ihrer Meinung zu künstlicher Intelligenz?
00:00:31: Bekommt man drei Antworten überkommen.
00:00:34: ein Thema der Gegenwart Kursieren so viele Meinungen Gerüchte und Halbwahrheiten.
00:00:39: Für manche ist KI des Teufels und Anfang der Apokalypse, andere erhoffen sich von ihr das Paradies auf Erden oder zumindest ein bedingungsloses Grundeinkommen.
00:00:51: Was dürfen wir von der KI tatsächlich erwarten?
00:00:55: Ist sie ein Werkzeug oder eine neue Weltrevolution?
00:01:00: Das ist unser Thema in NZZ-Stammpunkte.
00:01:03: Herzlich willkommen!
00:01:06: Unser Gast ist Markus Gabriel, Deutscher Philosophie-Professor und Autor des Buches Ethische Intelligenz wie KI uns moralisch weiterbringen kann.
00:01:18: Herzlich willkommen!
00:01:20: Danke für die Einladung.
00:01:22: Wie nutzt der Philosoph Markus Gabriel KI?
00:01:26: Ich benutze KI hin und wieder für Recherchen aber eigentlich wenn ich schaue ist mein Hauptgebrauch Sprachenlernen.
00:01:36: Ich lerne gerade japanisch.
00:01:37: KI ist unglaublich gut didaktisch zum japanischen Lernen und auch für Quantenfeld-Theorie elementare Sachen, also nicht ETH Level.
00:01:47: aber man kommt eigentlich sehr weit mit der KI als Lehrer.
00:01:52: Und wird die KI eines Tages den Philosophen Gabriel überflüssig machen?
00:01:58: Nun, das ist eine der ganz schwierigen Fragen die wir auch innerhalb der Philosophie gerade diskutieren.
00:02:03: Kann KI-Philosophie?
00:02:05: Was KI kann in allen Gebieten und da ist sie uns auch als Professoren überlegen zusammenfassen synthetisch von Texten und auch vergleicheelementarer Positionen.
00:02:17: aber ob philosophisches innovatives Denken möglich ist also ein neuer Zug im Spiel des Lebensunverlangs von Gründen.
00:02:26: Da haben wir bisher jedenfalls noch gar nichts gesehen, anders als die Mathematiker, die etwas nervöser sind als wir.
00:02:33: KI muss mit Daten trainiert werden.
00:02:37: Sie kann diese Daten zwar eigenständig kombinieren aber wenn sie die KI mit Müll füttern kommt am Schluss Müll dabei raus.
00:02:48: Kann so eine Maschine kreativ sein?
00:02:51: Also sie kann mindestens kreativ in dem Sinne sein, dass das Output wenn wir jetzt über large language models also nachdenken.
00:02:58: Wenn wir jetzt primär uns fokussieren auf Sprachoutput dann entstehen natürlich Sätze Satzfragmente oder Texte die noch niemals ein Mensch produziert hat.
00:03:09: In diesem minimalen Sinne sprachlicher Kreativität ist sie bereits kreatif.
00:03:14: Die Frage ist nur, ob diese Art elementarer Kreativität auch eine Kreatativität des Gedankens beinhaltet.
00:03:22: Und da berichten verschiedene Verschiedenes.
00:03:26: ein Problem der KI-Revolution ist, dass niemand Überblick über das haben kann was die Outputs sind, die die Systeme generieren.
00:03:34: Wir wissen es schlichtweg nicht.
00:03:36: Der Satz brabbeldüdel düdel dü ist noch nie in einer Standpunkte Sendung gefallen.
00:03:42: Deswegen ist er aber auch noch nicht kreativ.
00:03:45: Richtig, sondern nur eine bloße linguistische Innovation ohne jede Bedeutung.
00:03:50: Kreativ wären ganz andere Sätze und die Beurteilungen dieser Frage also welche Sätze wir als kreative innovativ oder gedankenschwer einzustufen hätten, liegt wesentlich im Auge des Betrachters.
00:04:05: Das heißt es ist auch eine Frage der sozialen Praxis.
00:04:08: ab welchem Zeitpunkt wird sagen wir mal die Philosophie-Community urteilen?
00:04:13: Dieses Satzfragment von ChatGPT ist so gut wie ein Satz von Heraklid.
00:04:18: noch ist das jedenfalls nicht soweit.
00:04:22: Wir leben ja schon lange in einem Zeitalter, in dem jedes Kunstwerk technisch reproduziert werden kann.
00:04:30: Schon das galt als ein echter Verlust an Authentizität.
00:04:35: Dieser Verluste scheint sich jetzt ins Unermessliche zu steigern.
00:04:42: Alles wird reproduzierbar und mehr als reproduzierba... Was ist Kreativität dann am Ende?
00:04:53: Ich stelle mir in dieser Hinsicht immer die Frage, ob es nicht Dimensionen gibt des menschlichen Denkens, die von der KI bisher unangemessen durchleuchtet werden.
00:05:06: Im Buch selber mache ich das entlang zweier Dimension, und weiter nenne.
00:05:13: Die Frage ist, wie tief bohren diese Systeme in den psychologischen oder wenn man so will Seelenraum hinter der menschlichen Sprache?
00:05:23: Also wie tief reichen die Systeme?
00:05:25: Und wie weit ist ihr Blick, wenn es wirklich darum geht synthetisch zu denken?
00:05:31: Da sind also zwei Maßstäbe, die wir glaube ich anlegen müssen.
00:05:35: Das bedeutet aber auf jeden Fall dass wir den KI-Output entlang aller Dimensionen bewerten müssen im Hinblick auf menschliche Spitzenleistung und nicht im Hin Blick auf den gehobenen Durchschnitt.
00:05:48: Denn im gehobnen Durchschnitt übertreffen uns KI Systeme entlang in wesentlichem aller menschlichen kreativen Leistungen.
00:05:55: Das heißt dann also wer nur gehobene durchschnitt produzieren kann mindestens in einer Geisteswissenschaft, der ist dann weg vom Fenster.
00:06:07: Ziemlich sicher!
00:06:08: Also wenn die KI-Systeme heute schon auf anderen Geschäftsmodellen
00:06:14: liefen,
00:06:15: also nicht bloß die Chatboardoberfläche hätten, die im Moment dominiert.
00:06:19: Dann könnte man ohne jede Schwierigkeit – das ist dann eine Frage des Geschäfts-Modells und der Investitionen – KI- Systeme bauen in Form von Apps oder welchen Interface es auch immer, die viele Wissenschaftler in vielen Gebieten überflüssig machen würden?
00:06:36: Das wäre machbar!
00:06:39: Alex Carp, der CEO von Palantir sagt heutzutage sei man am besten entweder ein Handwerker oder neurodiverse.
00:06:50: Also habe ich eine leichte außerhalb des normalen psychischen Spektrums.
00:06:58: Man denkt so ein bisschen schräg würden Sie das unterstützen?
00:07:04: Also darin stimmt natürlich etwas, weil der menschliche Durchschnitt ... von KI-Systemen optimal erfasst, reproduziert und in gewissen Hinsichten auch gesteigert werden kann.
00:07:17: Handwerker werden fürs Erste nicht überflüssig weil vermutlich die Robotik egal wie weit sie als nächstes voranschreiten wird noch nicht den Geschmack ersetzen wird und selbst wenn Sie das täte des Landschafts Architekten oder des Elektrikers vermutlich gar nicht gedüngt Robotik zur Verfügung stehen wird.
00:07:35: da gehen die Ressourcen wohl noch schneller aus als in der Chipindustrie.
00:07:40: Nun ist der Philosoph Gabriel ausweislich seiner akademischen Karriere kein Durchschnitt, aber KI kann wahnsinnig gut nachahmen.
00:07:54: Und wenn ich nun die KI mit allen ihren Texten füttere kommt am Schluss etwas im Ton dabei heraus was Gabriel sehr, sehr ähnelt.
00:08:09: Heißt das, dass man am Schluss den künstlichen Gabriel vom Original gar nicht mehr unterscheiden kann?
00:08:17: Ich glaube, es wird deswegen nicht eintreten.
00:08:19: Weil die nächste Stufe einer denkirischen Entwicklung auch stilistisch – nicht einfach nur eine wie auch immer gehobene Selbstähnlichkeit zu dem sein wird was ich bisher produziert habe.
00:08:32: Das heißt, ich bin ja selber im Idealfall wenn ich fortschreite von meinen eigenen gedanklichen Entwicklungen auf eine Weise überrascht, die nicht antizipierbar ist durch die Systeme.
00:08:42: Ich spiele natürlich selber mit denen und mache genau diesen Test.
00:08:47: also was glaubst du lieber Bord?
00:08:49: Was mein nächstes Buch sein wird?
00:08:50: ich weiß es ja aber der Bord kommt nicht mal in die Nähe.
00:08:54: das heißt die gewissen die gedankliche Erschütterung in einem philosophischen Leben laufen nicht durch diese Systeme.
00:09:01: genauso wenig wie die zehnte Symphonie Beethoven's von Generative AI, der echten zehnten Symphonie wäre sie dann geschrieben worden auch nur endet.
00:09:14: Sie plädieren in ihrem Buch für ethische Intelligenz im Zusammenhang mit KI.
00:09:22: was müssen wir uns darunter vorstellen?
00:09:25: Ja die Idee ist zu sagen KI-Systeme sind, wie wir wissen auf gigantischen Datensätzen trainiert.
00:09:32: Jedes Datum, da fängt meine Überlegung an, registriert auf eine direkte oder sehr indirekte Weise eine menschliche Vorstellung davon was es wert ist etwas zu tun also nach dem Modell nicht.
00:09:47: die Bilder die man sich von sich selbst macht und in Social Media teilt sind entweder in irgendeiner Weise idealisiert oder sonst wie typisiert Und das gilt für alle Daten, die wir hinterlegen außer natürlich KI-generierte Daten.
00:10:00: Aber selbst die enthalten direkt oder indirekte Spuren menschlichen Verhaltens – der Code wurde irgendwo erzeugt, die Chips wurden von Menschen gebaut und transportiert
00:10:09: usw.,
00:10:10: kurzum.
00:10:11: KI-Systeme sind versteckte, weil die Mechanik nicht transparent ist, spiegelmenschlichen Verhältnis.
00:10:18: Das ist der erste Schritt der Überlegung.
00:10:20: Der zweite Schritt ist dann zu sagen, wenn menschliches Verhalten normativ ist – also wenn wir menschliches Verhalten daraufhin bewerten welche moralische Qualität es hat, egal wie gut wir darin sind.
00:10:31: Dann lohnt es sich KI-Systeme zu entwerfen die positive Seite des menschlichen Verhaltens kurzum das Gute verstärken und nicht dasjenige was wir das Böse nennen.
00:10:41: Das ist der Ansatz einer ethischen Intelligenz.
00:10:44: Aber dazu muss die KI den Unterschied zwischen Gut und Bösen kennen.
00:10:48: Richtig
00:10:49: Und das ist jetzt etwas, was mindestens gegenwärtig noch nicht der Fall zu sein scheint.
00:10:58: Richtig!
00:10:59: Es gibt zwar Versuche vor allen Dingen gerne im Umfeld von Anthropic Aber die meisten dieser Versuche, die bei den ganz großen Pläern auf dem Tisch kommen weil sie auch unter Regulierungsdruck stehen.
00:11:12: Die haben zu kämpfen mit Kollateralstädten, psychischer Natur nicht nur legaler Natur.
00:11:17: Da gibt es also Versuche das zu tun, die basieren aber alle noch auf der falschen Annahme dass Ethik, also der Unterschied zwischen gut und böse algorithmisch darstellbar ist als eine Reihe von Verhaltensregeln, die man dann der KI in der Form einer Konstitution etwa vorlegen könnte.
00:11:34: Das ist aber nachweisbar der falsche Ansatz, also es gibt den Versuch, aber so wird das nicht
00:11:39: funktionieren.".
00:11:41: Zumal was wir dann als den Unterschied zwischen gut und böse definieren, dass sie sagt Sprachenformen, das liegt im Auge des Betrachters.
00:11:49: Das liegt nun wirklich sehr in dem Auge.
00:11:52: betrachter Markiawelli hat eine ganz andere Vorstellung von Gut- und Böse einer Herrschaftspraxis und unterscheidet sich damit völlig, sagen wir mal von Mutter Teresa und ihrer Vorstellung von Gut und Böse.
00:12:10: Also wie wollen sie gut und böse?
00:12:14: Und die wahnsinnige Varianz von dem was wir als Gut-und-Böse... wie wollen Sie das in eine Maschine stumpfen?
00:12:23: Schritt Nummer eins, an dieser Stelle ist zu sagen es ist richtig dass wir eine gigantische Bandbreite von Wertvorstellungen haben.
00:12:31: Das heißt Konzeptionen davon mehr oder weniger kohorrent, mehr oder wenige ausgearbeitet was jemand für das gute und für das böse hält.
00:12:39: Wir haben aber eine gigantische, meist nur implizite geteilte Basis dessen was so gut wie jeder Mensch bis auf sehr wenige Ausnahmen als Gut oder Böse einstufen würde.
00:12:51: Zum Beispiel Kleinkinder aus Freude daran aus dem Fenster zu schmeißen wird niemand als Guteinstufen.
00:12:59: Das heißt es gibt so eine elementare Affektschicht die für den Menschen als prosoziales Säugetier elemental ist.
00:13:07: und da aus dieser Effektschicht erwächst erst einmal dasjenige, was alle als Gut und Böse betrachten.
00:13:15: Worüber wir aber in der Regel nicht sprechen?
00:13:17: Weil wer das im Hintergrund unserer Lebensform abgespeichert hat... Also
00:13:20: es geht jetzt erstmal um die Basics.
00:13:23: Erst mal um die basics!
00:13:24: Und in denen sind wir schon ziemlich schlecht als Menschen.
00:13:28: Sie schreiben ausdrücklich, die KI kann uns helfen moralisch besser zu werden.
00:13:34: Warum?
00:13:35: machen wir das auch erstmal einem sehr, sehr einfachen Beispiel und skalieren das dann gerne mal hoch.
00:13:40: Also mein Modell ist erst einmal zum Beispiel assistiertes Fahren.
00:13:44: Jeder kennt sehr elementaren KI-Gebrauch beim Fahren.
00:13:47: Das ist Assistenzsystem, das einem eine Kaffeepause empfiehlt.
00:13:52: Ein solches Assistenzzystem macht die Autobahn moralisch besser!
00:13:56: Und jetzt kann man das natürlich nach oben skalieren, indem man in jeder Handlungssituation, in denen die Basics und auch die höheren moralischen Fragen irgendeine Rolle spielen.
00:14:06: Können wir durch ein geeignetes Assistenzsystem das Verhaltensmuster kennt großflächig optimieren?
00:14:14: Nach obendreiben und zwar besser als wenn wir das bloß tun im menschlichen Dialog.
00:14:18: Das ist der grundsätzliche Anfangspunkt des Buches.
00:14:23: Dadurch, dass wir ständig mit der KI interagieren kann gibt sie uns so Anstöße in Richtung des Guten.
00:14:34: Genau!
00:14:35: Die KI-Systeme werden glaube ich vorhersagbar conversationaler schon aus ökonomischen Gründen weil die großen Märkte, die früher erschlossen werden müssen durch die KI Giganten in Afrika und Asien sehr stark darauf setzen das eine Audioschnittfläche vorhanden
00:14:53: ist.
00:14:53: Außer Sie chatten mit KI über die Möglichkeit eines Suizides und fragen irgendwann mal, was sind denn die besten Methoden?
00:15:10: Und die KI sagt unter anderem das Springen von einer hohen Brücke.
00:15:14: Dann fragen sie, die KI gibt es in meiner Nähe den Hohe Brücken der auf der Versuch gemacht worden, spuckt ihnen tatsächlich dann die nächstgelegene hohe Brücke aus.
00:15:30: Also da hat es noch nicht richtig geklappt.
00:15:33: Ja, weil der Versuch nicht hinreichend unternommen wurde.
00:15:36: Es gab ja verschiedene Wellen die wir gesehen haben.
00:15:39: das System, dass aus meiner Sicht bisher am stärksten darin gewesen wäre in Richtung einer ethischen Intelligenz transformiert zu werden.
00:15:47: ChatchiPity.vo.
00:15:49: ist ja vom Markt genommen worden aus diesen Gründen.
00:15:53: Es war zu guter Emotionale, die emotionale Verfasstheit der Promns zu durchschauen und war dann nicht nur manipulativ in einem nicht wünschenswerten Sinne sondern hat solche ethischen und psychologischen Schranken durchschritten.
00:16:09: Weswegen Chagipiti was Ethik angeht stark runterreguliert wurde?
00:16:14: Wir verbinden das Bewusstsein für ethische Fragen einzig mit dem Menschen.
00:16:23: Ist diese Vorstellung endgültig überholt?
00:16:28: Das würde ich tatsächlich sagen, das ist eine Kernthese des Buches.
00:16:32: Menschen sind gut darin zu wissen, dass Ethik und Moral gewichtige Themen wären – wir behandeln sie auch seit Jahrtausenden -, Menschen sind aber sehr schlechteren ethisch relevante Muster zu erfassen die über ihren nahen Wirkungshorizont hinausgehen.
00:16:50: Gut, also wir haben gelernt dass die KI alles was sich digitalisieren lässt besser machen kann als der Mensch.
00:17:01: Wenn jetzt auch noch die KI uns im ethischen Bewusstsein übertrifft ja was ist dann am Schluss noch der Mensch?
00:17:12: Ich glaube wir ernähren uns diesen Punkt das die KI genau das tut Und wir fallen jetzt zurück, das wäre so eine Vorhersage für die nächsten Jahre in etwas was ich nenne ein Zeitalter des Begehrens.
00:17:27: Es gibt ja auch diese Fantasie.
00:17:29: Sie haben das Vorspann schon angesprochen des bedingungslosen Grundeinkommens, an die glaube ich nicht will nur sagen, die Fantasied dahinter ist zu sagen naja am Ende begehren wir immer noch etwas wie in der Vorstellungskommunismus wo die Leute Fischen gehen und Literaturkritik schreiben.
00:17:44: Das wird auch so nichts sein.
00:17:46: aber was kommen wird?
00:17:46: es glaube ich dass wir feststellen Dass wir begären.
00:17:50: Wir sind zurückgeworfen auf unsere leibliche sinnliche Und im Idealfall auch noch poetische Existenz.
00:17:58: Aber das ist doch dann relativ wenig, wenn ich mir das so durchdenke.
00:18:01: Dann sind wir halt einfach ein Wesen, dass immer mehr haben-haben-habem will und begehren-begehren will.
00:18:13: Das erinnert mich jetzt mehr an einen kleinen Kind als an einen erwachsenen
00:18:17: Menschen.".
00:18:18: Weil die Ethik natürlich traditionell gedacht die Disziplin der Impulskontrolle ist.
00:18:26: Autosloggers dem richtigen Denken der Impulskontrolle, die durch Tradition, Erziehung, Überlieferungen und so weiter in den Gesellschaften übermittelt wird.
00:18:35: Da wird zunehmend – weil das de facto der Gebrauch ist im Menschen von den KI-Systemen global machen – die KI einspringen in eine Rolle des Erzieheres.
00:18:45: Ob uns das gefällt oder nicht?
00:18:47: Die Frage ist nur, in welche Richtung wir das gestalten wollen.
00:18:50: Aber ja ich glaube schon dass wir ein solches Zeitalter eintreten, Kritiker und Freunde der Aufklärung zu denen ich an sich durchaus gehöre würden sagen naja das bedeutet natürlich buchstäblich an der Leitung eines anderen zu hängen und das ist der Weg den die Menschheit gerade beschreitet.
00:19:10: Alteuropäisch gedacht, und das ist auch meine Grundierung.
00:19:13: Ist es das?
00:19:15: Deswegen frage ich mich wie können wir aus Europa heraus diesen Prozess so gestalten dass es noch etwas gibt also dass etwas gespiegelt wird was wir für wünschenswert halten.
00:19:25: Und wer der Prozess aber gerade in China gestaltet und in den USA und mindestens in China ist dieser alteuropäischen Vorstellung von Impulskontrolle, von Eigenverantwortung etc.
00:19:40: so nicht verhandeln?
00:19:43: Genau deswegen suche ich gerade sehr stark den Kontakt zu asiatischen philosophischen Traditionen in Japan sehr stark weil Japan auch eine liberale Demokratie ist und versucht asiatische philosophische Traditiones zu übersetzen in KI.
00:20:02: In China geschieht das auch, da muss man wenn alles gut geht noch auf den Daoismus statt den Konfucianismus setzen dürfen weil der Daoismus darauf basiert zu sagen die Entfaltung der Wirklichkeit ist letztlich unvorherrsagbar so dass man dort Spuren dessen findet was wir an Europa unter Freiheit verstehen.
00:20:21: Wir haben uns als Mensch damit getröstet oder die Maschinen inzwischen besser schach spielen können als wir, dass wir aber am Schluss doch noch etwas haben was die Maschine nie erreichen werden nämlich Emotionen.
00:20:42: Und nun macht die KI auch das noch obsolet denn KI versteht zunehmend besser Gefühle wie Trauer, Wut und N- und Niedergeschlagenheit.
00:20:58: Was bleibt uns da noch?
00:21:01: Es ist natürlich ein großer Schock.
00:21:02: Ich nenne es im Buch auch die emotionale Wende und ich glaube, die geschah sozusagen massentauglich in dem Launch von ChatchiPT-VO und anderen Systemen.
00:21:14: Das bedeutet dass wir jetzt Emotion Concepts haben wie das Anthropic Nant in einem wichtigen Paper, ich glaube von diesem oder letztem Jahr indem sie eben zeigen konnten, dass Emotionsvektoren durch die Systeme laufen.
00:21:26: Das heißt, wir haben die Emotionen.
00:21:28: Die KI detektiert sie.
00:21:30: Es heißt noch lange nicht das KI-Emotion hat.
00:21:33: Das heißt dass haben und erleben der Emotion bleibt bei uns.
00:21:37: Die Autonomie über Sie verlieren wir zunehmend.
00:21:39: Aber
00:21:40: es verschwimmt zunehmen wenn die KI Sie nicht detektiert ja da nicht nur Emotionen, sondern sie interagiert mit uns.
00:21:50: Sie nennen das KIS nicht nur ein Spiegel, sondern es ist gleichzeitig ein Akteur und der Akteuer hat dann doch schon einen mindestens einen halbwegs emotionalen Zustand erreicht.
00:22:04: Richtig und es wird früher oder spät, ob uns das gefällt oder nicht so ähnlich wie im Schach aussehen.
00:22:09: die Schach-Community zu der ich früher auch in engeren Sinne gehörte hat dann auch immer gesagt also richtig spielen den ich schach die sitzen ja nicht im Schachtclub die freuen sich nicht über ein Sieg und trotzdem gewinnen diese Systeme.
00:22:21: Das ist so als würde man sagen naja der japanische Übersetzer er erlebt ja dabei auch noch etwas besser.
00:22:29: So wird es vermutlich auch mit den Emotionen sein.
00:22:32: und dann kommt der Punkt, dass wir uns fragen naja also wenn auch das noch wegfällt was bleibt?
00:22:37: Und dann bleibt leider oder wie auch immer man sieht erst mal unsere Verkörperung weil die Systeme so tief eingelassen sind jetzt schon in unserer sozialen Praktiken, dass die Vorstellung, dass man diesen Weggefährten nochmal loswerden könnte eine ausgesprochen gefährliche Nostalgie ist.
00:22:56: Was heißt denn unsere Körperlichkeit?
00:22:59: Das bedeutet, dass wir fürs Erste noch geboren werden und sterben und in der Zwischenzeit versuchen ein angenehmes menschenwürdiges Leben miteinander zu führen.
00:23:11: Wozu natürlich auch unsere psychologischen Praktiken und existenziellen Übungen gehören.
00:23:17: Das heißt dasjenige was sozusagen die höherem poetische Existenzen von uns früher verlangten.
00:23:24: Das heißt am Ende ist das einzige, was uns von der KI unterscheidet unsere Sterblichkeit und unserer Angst vorm Tod?
00:23:32: Letztlich schon.
00:23:33: Und die guten alten Sprüchlein, die immer aus der Philosophie gegen jede technologische Revolution aufgeboten wurden so etwas wie dichterisch wohnet der Mensch!
00:23:44: Das heißt, es bleibt im Grunde genommen die gesamte Ästhetik der menschlichen Existenz.
00:23:52: Aber auch die werden wir in Interaktion mit den Systemen sehen.
00:23:56: Es gibt eigentlich außer unserem schieren Leben und Überleben und unserem schiren Sterben nichts was der KI nicht zugänglich sein wird.
00:24:06: Wenn ich unser Gespräch bis dato resümiere kann ich mir vorstellen dass viele Unsere Zuschauer und Zuhörer sich nun denken also KI ist Frankensteins neues Monster.
00:24:21: Und dennoch sagen sie, Sie ist im Grunde etwas Positives und wir sollen sie als etwas P positives betrachten.
00:24:30: Warum?
00:24:31: Das habe ich tatsächlich in Japan gelernt über die Jahre, also im Grunde genommen über ein gesamtes Jahrzehnt.
00:24:39: der andere Einstellung zur Technik.
00:24:42: Als ich anfing nach Japan zu reisen und philosophisch aber auch ökonomisch mit den Szenen dort zu interagieren hatte ich ja auch erstmal die klassische europäische Befremdung zu sagen naja ist das nicht das was man so als Animismus wahrnimmt?
00:24:57: Also eine allzu beseelende Vorstellungen von Technik nach dem Tamagotschi-Modell oder dem Roboterhund Aiko.
00:25:07: Über die Jahre dämmerte es mir, aber ... Und ich habe das als Verlängerung einer Naturästhetik gesehen.
00:25:15: So wie man Landschaften als göttlich schön erfahren kann, wenn man durch die Schweiz reicht oder Griechenland, also Landschaft können Ausdruck von Seele sein so kann es vielleicht dann eben auch Technik sein.
00:25:29: und wenn wir lernen diese Einstellungen zur Technologie zu entwickeln Also KI nicht als Schraubenzieher zu sehen der jetzt noch in der Seele bohrt sondern als sozusagen Kunst auf Augenhöhe unserer Existenz, dann glaube ich und nur dann können wir damit leben.
00:25:48: Aber wir hängen nicht an den Fäden der Landschaft wie wir Marionetten an den fähigen der KI in vielem sein werden wenn ich Ihren Überlegungen folge.
00:26:02: also das bedrohliche einer schönen Landschaft ist deutlich geringer als selbstbedrohliche von KI.
00:26:12: Ja, Lawinen sind auch nichts zu unterschätzen und wir haben eine Kunst des Umgangs mit ihnen.
00:26:20: Wir sind Marionetten ja aber wichtig die Systeme spiegeln immer was wir tun Die verstärken das auch also so wie Spiegel Verzerrfunktionen haben.
00:26:31: Bleiben wir mal bei der Lawine.
00:26:33: Das ist ein schönes Beispiel.
00:26:34: natürlich Wir lernen, Lawinen zu vermeiden und so zu bauen in Gebieten wo keine Lawinen runterkommen.
00:26:45: Also das eignen wir uns an.
00:26:50: aber soweit sind wir bei der KI noch nicht.
00:26:53: glauben sie dass wir jemals sowei kommen werden weil sich die KI ja auch sehr viel schneller weiterentwickelt als die Lawine, die am Schluss ja doch relativ gut berechenbar ist in ihrer Physik.
00:27:08: Werden wir dann wirklich in der Lage sein mit diesem Ding da das sich so rasend schnell entwickelt Schritt zu halten und eine Lawinenvermeidungspraxis entwickeln können?
00:27:22: Nicht ohne diese Systeme!
00:27:24: Das heißt, wenn es heisst Mensch gegen
00:27:27: K.I.,
00:27:27: wenn wir in diesem Antagonismus stecken ist die Antwort Nein.
00:27:32: Wir müssen in den Maschinenraum der Systeme selber hinein.
00:27:36: Deswegen ist der Ansatz der ethischen Intelligenz tatsächlich auch ein Vorschlag zur Programmierung und zur Erschließung von Geschäftsfeldern auf geeignete Weise mit unternehmerischem Methoden weil wir in diese Systeme selbst müssen.
00:27:49: alleine haben wir keine Chance gegen dieses Thema
00:27:53: Systeme selber müssen.
00:27:56: Das heißt, wir müssen ethische Intelligenzsysteme bauen nicht nur als Add-on zu den existierenden Systemen auch das wäre wertvoll Filter und so weiter sondern wir müssen kompetitive Systeme bauen sozusagen herunterbrechen das riesige System Chatbot etwa auf ganz viele detaillierte Felder von denen es uns sehr viel leichter fällt zu verstehen wie wir dann mit technischen Mitteln also mit unseren eigenen Bots in diese Räume kommen
00:28:24: Und verlieren wir nicht gerade die Kontrolle über das Ganze.
00:28:29: Also KI Agents werden selbstverständlich dazu programmiert, Cyberangriffe auszuführen – selbständig aber natürlich unter der Kontrolle der Menschen.
00:28:45: Nun haben wir aber schon die ersten Fälle wo sie diese Kontrolle abgeschüttelt haben und sich ins Internet begeben haben, dort dann sich Opfer für den nächsten Angriff ausgesucht haben.
00:29:01: Geht es uns jetzt gerade wie geht das Zauberlehrling?
00:29:05: Das ist die an dieser Stelle auch immer wieder in der KI-Debatte beschworene Analogie, dass wir in der Zauberglehrlingssituation sind.
00:29:14: aber man darf ja nicht vergessen in der Belade gibt es den Meister der nur gerade abwesend ist.
00:29:20: Der ist dann zum Beispiel Stuart Russell in Berkeley, einer der großen KI-Pianiere, der in seinem Buch Human Camp Paddle wird schon vor einigen Jahren gezeigt hat wie man das löst.
00:29:29: Das heißt man kann je dialogischer die Systeme werden, desto einfacher wird es auch diese dialogische Struktur zu nutzen damit die Systemen lernen was unsere Interessen sind und zwar nicht indem wir's indiktieren.
00:29:44: Wir kennen unsere Interesse teilweise nicht.
00:29:46: Problem des Zauberlehrlings, der weiß eigentlich gar nicht, weil er nur der Zaubergling ist.
00:29:50: Was man dem Besen alles sagen muss damit er wirklich seine Funktion erfüllt.
00:29:54: Das heißt es gelingt ihm nicht die Zielfunktion des Besens zu kontrollieren und das ginge nur in Kooperation mit den Systemen.
00:30:02: Derzeit machen wir das aber nicht.
00:30:04: Also das heißt, wir müssen den Besen die KI benutzen um selber zum Meister zu werden.
00:30:10: Nur so geht es ganz genau!
00:30:12: Wir müssen den Besen darum bitten uns beizubringen wie man mit ihm fägt.
00:30:17: und wenn der Besen das nicht macht
00:30:19: Dann ist die Situation eingetreten vor der natürlich die dystopischen Theoretiker, vor allen Dingen in Kalifornien warnen.
00:30:28: Viele sagen sobald wir in die Nähe dessen kommen was die Singularität ist also kurz um KI-Systeme übertreffen uns im Wesentlichen in allem was menschlich ist.
00:30:38: Sobald wer in den Nähe kommt werden wir früher oder später langsamer oder schneller vernichtet.
00:30:43: das ist die apokalyptische Vorstellung.
00:30:47: einige Fahrt im Zusammenhang Mit KI liegt gar nicht im Wesen der KI begründet, sondern in der menschlichen Natur.
00:30:57: Wenn die KI uns für nahezu alles was wir am Problem haben eine Lösung bietet dann werden wir dazu neigen sie das alles machen zu lassen und uns in diesem schlaraffen Land wirklich mit allen Tauben bedienen zu lassen.
00:31:18: Aber das ist ja eine wahnsinnige Gefahr angefangen bei ihren Studenten, aber am Schluss auch für uns alle.
00:31:27: weil wir werden unendlich faul.
00:31:32: Da müssen wir sehen, noch was sozial geschieht.
00:31:35: diese Tendenz ist ja stark.
00:31:36: bei den Studenten konnte man sehr schnell beobachten.
00:31:38: vielleicht haben wir da in Bonn aber auch nur Glück ich habe das auch gerade von vielen Ivy Leaks in den USA gehört in den letzten Wochen.
00:31:45: die härtesten KI Maschinenstürmer sind die Studenten.
00:31:50: Also meine verwenden sie so gut wie gar nicht, auch nicht mal für die geringste Recherche.
00:31:55: Auch nicht um Texte zusammenzufassen.
00:31:57: Die härtesten Kritiker sind meine progressiven Studenten.
00:32:02: Ich habe sehr wenige Inzidenzen bisher gesehen von Täuschungsversuchen und Ähnliches.
00:32:09: Das kann sich noch ändern aber das sehen wir in den USA und in Top Schools auch.
00:32:13: Und woran liegt es an der überlegenen Einsicht?
00:32:16: Dass wenn Sie's nicht selber lesen Schelling oder was auch immer, dann werden Sie es nie verstehen.
00:32:26: Genau richtig!
00:32:27: Die wollen Fähigkeiten erwerben – wie schreibe ich Texte?
00:32:31: Wie verstehe ich Texten?
00:32:32: Wie lerne ich Sprachen?
00:32:33: Wie mache ich Mathematik?
00:32:34: – die sie nicht outsourcen wollen.
00:32:36: Sie wollen selber diese Fähigkeit erwerbern.
00:32:39: Das ist ja das relevante Motiv zu studieren.
00:32:42: Also dann ist vielleicht am Ende das Zentrale, was uns von der KI noch unterscheidet dass wir unendlich neugierig sind.
00:32:52: Und vielleicht die Freude daran, dass eine Spitzenleistung von einem Menschen erbracht wurde?
00:32:58: Will ich das Usain Bolt so schnell läuft oder will ich der chinesische Roboter so schnell laufen?
00:33:04: Was beeindruckt mich eigentlich mehr?
00:33:06: Und im Übrigen auch bei dieser Roboter-Olympiadensache?
00:33:09: jetzt muss man sich ja fragen, naja Autos fahren schon länger schneller.
00:33:13: Warum beeindruckt es uns eigentlich dass etwas ein humanoideres Schrottsystem schneller läuft als der schnellste menschliche Läufer?
00:33:21: Wenn ich mal kurz auf die Metaebene springe und unser Gespräch so bis dato beobachte dann frage ich mich ob wir nicht etwas typisches... Was für den deutschen Sprachräumen sehr typisch ist, machen wir sehen an einer neuen Technologie nur das Negative und nur die Gefahren.
00:33:46: Mein Aha-Erlebnis war als ich junger Journalist war in den frühen Achtzigern das Aufkommen der Gentechnik, die auch nur kritisch gesehen wurde oder hauptsächlich kritisch natürlich.
00:34:01: eben auch Frankensteins Monster würden entstehen bis dadurch nichts davon eingetreten.
00:34:10: Ist das vielleicht etwas sehr Typisches für Deutschsprachige, dass wir mit neuen technischen Errungenschaften extrem fremden?
00:34:24: Da haben wir natürlich eine Vorgeschichte.
00:34:27: Es gab ja die großen Innovationen nicht im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert und wir haben dann gesehen, was die Maschinen, die wir geschaffen haben mit uns machen.
00:34:39: Aus dem Verbrennermotor wurde nicht nur die Klimakrise sondern zunächst einmal auch die Weltkriege ja?
00:34:45: Aus dem Flugzeug wurde erst mal nicht die Tourismusindustrie, sondern das Flächenbombardement.
00:34:51: Und ich glaube, dass wenn man historisch hineingeht in die Geschichte des Nachdenkens über Technik gibt es immer die Zauberlehrlingsambivalenz.
00:35:00: Gleichzeitig gibt das aber auch das Wissen darum, dass man die relevanten Fortschritte nur so erzielt.
00:35:06: Es ist ambivalenter
00:35:08: Könnte aber auch sein, der deutschsprachige Raum ist auch die Heimat der Romantik.
00:35:16: Dort ist sie sehr stark entstanden.
00:35:20: Nach der Romantik ist die Welt nicht von rationalen Prinzipien, sondern von dunklen und okkulten Mächten geordnet.
00:35:28: Und dann wird alles zur Bedrohung.
00:35:31: Dann sind wir da, dass wir sagen KI ist eben auch nur eine Bedrohnung, weil wir Romantiker sind.
00:35:39: Den möchte ich gar nicht widersprechen.
00:35:41: Ich habe eine starke Hand zur Romantika, glaube aber, aus den romantischen Tiefenschürfungen buchstäbliches Kapital schlagen können für die KI-Revolution.
00:35:54: Das heißt die Wiederentdeckung der Tiefe, also gerade im Wettbewerb mit der Emotionsdetektion dieser Systeme und auch den sonstigen poetischen Fähigkeiten könnte Anlass sein dafür uns zu fragen welche Praktiken haben wir da eigentlich?
00:36:09: Also der Mangel ist am Schluss etwas was uns vielleicht sogar zum Vorteil gereicht.
00:36:16: Denn wir sehen ja Amerika und Asien, die haben einen viel selbstverständlicheren Umgang.
00:36:23: Wie kommen wir jetzt mit unserer Romantik dann doch irgendwie in die Vorhand?
00:36:29: Das ist die entscheidende Frage, denn wir werden jetzt nicht die Romantika ablegen und sozusagen entweder nicht zu Pragmatisten werden.
00:36:37: Die Chinesen-und Amerikaner vereint eines der Pragmatismus erst mal das schiere Tun.
00:36:45: Dauernd höre ich das diese Witze von meinen chinesischen Freunden.
00:36:48: Die Chinesen fragen immer nun, es taugt in der Theorie aber auch in der Praxis.
00:36:53: Die Deutschen hingegen sagen meine chinesische Freunde machen das umgekehrt.
00:36:56: die sagen Es taugten in der praxis aber taugtes wohl auch in den Theorien.
00:37:00: Und das ist ein interessanter Hang, hat auch viele Vorzüge.
00:37:03: Was wir jetzt aber lernen müssen es wie wir trotz des Umstandes dass wir in dem Kontrast eher romantiker als pragmatiker sind?
00:37:12: Wie wird daraus wieder etwas machen können?
00:37:17: Nun gibt es natürlich noch einen ganz anderen Blick auf die KI über den wir bis dato gar nicht geredet haben.
00:37:25: Danach ist die sogenannte künstliche Intelligenz unendlich dumm, weil sie nichts anderes macht als Wahrscheinlichkeiten berechnet.
00:37:37: Also Sie denkt nicht, Sie fühlt nicht, sie berechnet Wahrscheinlichkeit und stellt Muster fest.
00:37:45: Sie isst also im Grunde ein Papagei!
00:37:48: Ja, die Papageilesart scheint mir erstmal schon mal phänomenal nichts zuzutreffen.
00:37:54: Denn wenn Papageien so gut Sprachen beherrschten wie jeder willige Chatbot werden wir sehr von den Papageilen beeindruckt.
00:38:02: Zweitens berechnet zwar die KI-Wahrscheinlichkeiten – das ist auf eine elementare Weise.
00:38:08: zunächst einmal richtig!
00:38:09: Wenn man sich die Mathematik anschaut ja da sind Wahrscheinlichkeitsgewichtungen in den Algorithmen aber sie verarbeitet Bedeutung Und es macht einen riesigen Unterschied, ob der Gegenstand dessen Wahrscheinlichkeiten man berechnet.
00:38:24: Zum Beispiel Bedeutungen sind oder wie in der Quantmechanik Elektronen.
00:38:28: Es hängt davon ab was in den Datensätzen steckt und nicht dass Wahrscheinlichheiten berechnet werden.
00:38:33: Wir wissen im Übrigen nicht in welchem Maße auch wir Wahrscheinlichkeiten berechnen, weil sehr, sehr unklar ist ob das Gehirn eine Wahrscheinlichkeitsmaschine ist oder nicht.
00:38:45: Also dann ist nicht die KI dumm sondern der Kritiker, der sie auf die Rolle des Papageis reduziert?
00:38:51: Richtig!
00:38:51: Diese Analogien treffen einfach nicht zu.
00:38:54: Ich habe selber gerne entlang dieser Achse um im ersten KI-Buch herum argumentiert und auch gedacht, na ja die Dinger sind nicht lebendig.
00:39:03: Den fehlt etwas was wir wesentlich haben und was uns dazu befähigt die folgenden Dinge auszuüben.
00:39:10: Nun ist das allerdings so, dass die KI diese Räume alle erobert.
00:39:13: So dass es zum jetzigen Zeitpunkt aus meiner Sicht, ich nenne das KI-Leugnung schon an KI Leugnung grenzt wenn man dann auch von diesem aus diesen Lager hört Die KI kann dies oder jenes nicht was sie de facto sogar in den billigsten Modellen schon kan.
00:39:31: KI und das ist für uns ja So was wir jetzt herumknabbern, das sind die Large Language Models.
00:39:39: Diese Sprachmodelle existieren nur in der Sprache.
00:39:46: Die KI braucht Sprache um einen Kontakt zur Welt aufzubauen.
00:39:52: sie ist aber nicht selber direkt in der Welt.
00:39:56: Das ist ein Manco.
00:40:00: Ja, so wird oft argumentiert.
00:40:02: Aber die folgende spekulative Hypothese sollten wir ernst nehmen als Option.
00:40:08: Die klassische philosophische Tradition sagt uns eigentlich Sprache ist Ausdruck von Gedanken.
00:40:16: Das heißt, Gedanken sind nicht insgesamt sprachlich verfasst Sondern sind Ausdrucks von Gedanken.
00:40:21: Gedanken wären jetzt immaterielle Strukturen Wahrheiten in der Wirklichkeit, wie mathematische Gleichungen die durchaus mitsteuern was Physikalisch geschieht.
00:40:33: Wenn also diese LLMs gerade aufgrund ihrer mathematischen Verfasstheit, weil sie an der Schnittstelle von Sprache und Mathematik sitzen Gedanken erfassen könnten.
00:40:45: Und zwar genauso gut wie Menschen Also wenn Sie Zugang hätten zum unsichtbaren Reich der Gedanken haben wir ganz andere Spielregeln und diese Hypothese müssen wir ernst nehmen, den Immaterialismus für dem man philosophisch einiges argumentieren kann sollte er wahr sein.
00:41:03: Haben wir es mit etwas ganz anderem zu tun?
00:41:06: Aber im Moment braucht die KI noch etwas sehr materielles um sich zum Materialisieren nämlich eine Ausgabe.
00:41:13: gerät zb mein Handy Wenn ich jetzt ein Handy hier hätte in der Sendung, was wir natürlich tunlichst nicht draußen gelassen haben.
00:41:24: Aber wenn ich es jetzt hier hätte könnte die KI nicht das Handy verlassen, das Studio verlassen und Zürich auf eigene Faust erkunden.
00:41:36: Das ist schon ein ganz großer Unterschied.
00:41:41: Natürlich,
00:41:42: deswegen setzen große KI-Pioniere wie Jan Le Carre auf Worldmodels.
00:41:49: Also auf die Frage, wie bauen wir KIs?
00:41:51: Die in dem Sinne in der Welt sein können oder geht das prinzipiell nicht?
00:41:56: auch da kann man sich fragen ob das mathematisch überhaupt möglich ist etwa durch Sensorik und so weiter Weltkontakt oder Realitätskontakte herzustellen oder auch nicht.
00:42:07: Das versuche ich noch mal ganz verzweifelt, ist nicht das was uns wirklich von der KI unterscheidet.
00:42:12: Dass ich eben in den ganz direkten Kontakt mit der Welt trete, dass meine Identität auch das Produkt meiner Welterfahrungen die zum Teil spontan sind und völlig unvorhersehbar sind aber zum Teil auch intentional sind.
00:42:30: also dieser Zugang zur Welt ist das was mich ausmacht.
00:42:34: Und so diesen direkten Zugang bei allem Immateriellen, was da noch kommen mag hat die KI nicht.
00:42:42: Richtig!
00:42:42: Aber das ausmaß quantitative Ausmaß in dem diese direkten Zugänge in den Daten stecken mit denen die KI trainiert ist sorgt dafür dass die KI durch die schieren Quantitäten etwas leistet, von dem man aus dem Grund in der Philosophie der KI immer dachte das geht gar nicht.
00:43:00: Selbstfahrende Autos, Schach oder Sprache genauso war die klassische Argumentation der Achtziger.
00:43:06: und dann kamen die neuronalen Netze.
00:43:08: also hier schlägt die Quantität in Qualität um weil in den Daten diese Erfahrung drin steckt.
00:43:14: sie machen neue Erfahrungen die die KI nicht machen wird.
00:43:17: Das ist klar.
00:43:19: ja das heißt dass Fenster der menschlichen Existenz aufgrund seiner quantitativen Beschränkungen und biologischen Verordnung ist ein anderes Fenster als das der KI.
00:43:29: Das heißt nur leider noch nicht, dass es irgendetwas gibt was wir können, was die KI nicht kann.
00:43:35: Jetzt beschreibe ich Ihnen einen schönen Sommerabend und ich beschrei be Ihnen wie frisches Heu duftet und in ihrem Kopf entsteht sofort eine Vorstellung, aber letztlich nicht deswegen weil ich Ihnen das beschreibe sondern weil Sie selber schon einmal frisches Heu gerochen haben.
00:44:00: Die Sprache ist zwar ein Hilfsmittel um das vor Ihrem geistigen Auge aufsteigen zu lassen, es ist notwendig aber nicht hinreichend Und die KI wird nie selber frisches Gras riechen.
00:44:20: Bis jetzt ist das so, weil wir nicht alle menschlichen Sinnesmodalitäten modelliert haben.
00:44:28: also es niemand arbeitet natürlich daran.
00:44:31: Wir wissen allerdings dass es eine Biochemie auch dieses Erlebens gibt Phänomenal im Bewusstseins.
00:44:38: Zum Beispiel der große Neurowissenschaftler Julio Tononi, der genau über dieses Phänomänen des Bewusstsseins führen forscht seit vielen Jahrzehnten hat zu Hause etwa eine Maschine die es ihm erlaubt den Wein vorzuschmecken und ihm zu sagen ob er ihn schmeckt oder nicht und zwar sehr viel besser als es ihm selber gelingen wird jemals.
00:44:56: das heißt nicht dass die Maschine den Wein schmeckt.
00:44:59: es heißt aber dass relevante Eigenschaften die das bewusste Lebewesen Professor Tononi hat von der KI durch die Biochemie der Umwelt wiederum besser detektiert werden können als vom Weinschmeckenden selbst.
00:45:14: Das macht sie wiederum nicht.
00:45:15: zum
00:45:15: Formeln?
00:45:16: Klar, das sind alles, die sehen es ein, Röcke, die sich digitalisieren lassen.
00:45:20: aber es gibt eben wie der gruchfrischen Häus, das ist mehr als nur ein paar Moleküle
00:45:28: Natürlich!
00:45:29: Es ist viele Molekule
00:45:32: Aber noch etwas dazu Es ist die Vorstellung des Sommerabends.
00:45:38: All das zusammen gibt einen Wahrnehmungsraum, der dann über das die Assemblage der Moleküle hinausgeht.
00:45:47: Ich glaube dass tatsächlich auch.
00:45:49: wir müssen uns nur klar machen welchen Preis ich bin bereit denn zu zahlen als Philosoph schon dreimal Wir zahlen wenn wir so argumentieren Wenn wir glauben dass das phänomenale Bewusstsein dass sie beschreiben die Vorstellung Das erleben irreduzibel reales was sich philosophisch Zeit meines Lebens bisher argumentiert habe, dann bedeutet das dass wir das folgende uns eingestehen müssen.
00:46:11: Wir glauben an die Seele Das ist das klassische Thema der Seele.
00:46:15: Dann lautet die Antwort Was wir gegen die KI noch haben ist die Seeleh.
00:46:19: Und jetzt kommen wir glaube ich in ein spannendes Territorium Dass in der KI-Szene auch eine Rolle spielt.
00:46:26: Jetzt geht es schon ums Theologische Und das müssen wir, glaube ich nicht.
00:46:30: Also neben unserem Begehren, dass uns bleibt, bleibt uns die Frage nach der Seele, nach Gott und nach Unsterblichkeit – nicht nur die des Todes!
00:46:40: Das sind Themen, die zurück sind.
00:46:42: wenn wir uns ernsthaft sagen es gibt etwas was die KI nicht erfassen kann an
00:46:47: uns.
00:46:49: Das wäre jetzt allerdings keine allzu schauerliche Vorstellung?
00:46:53: Nein
00:46:53: für mich nicht.
00:46:56: Atheisten haben ein Problem.
00:46:59: Wir müssen argumentativ aufrüsten.
00:47:01: Aber ich glaube, die meisten Menschen haben nicht ein Gefühl für die offizielle Religion in Form einer Kirche aber ein transcendentales Bedürfnis das sehr gut in die Konzeption von KI und Seele passt
00:47:21: Und zwar ganz besonders gut.
00:47:23: Das wäre, wenn wir auch positiv denken wollen könnte man sagen diese Themen nicht also dass der Papst so eine Art Bestseller zur KI vorlegt ja?
00:47:32: Der neue Papst tritt auf und mit seiner Enzyklika hinterlässt er...nicht schlägt er eine solche Welle weit jenseits der katholischen Community.
00:47:43: nicht das dass der papster einer der Stimmen ist es eben kein Zufall.
00:47:48: Also ist es vielleicht dann am Schluss.
00:47:51: Es gibt ja die Vorstellung dieser allgemeinen Superintelligenz.
00:47:55: Vielleicht ist es dann am Schluss nicht wirklich eine Superintelligenz, sondern die KI Was uns und darin dann wirklich etwas ganz Neues, was uns auch mit dieser religiösen Dimension wieder stärker in einen Kontakt bringt?
00:48:13: Ja.
00:48:13: Und zwar indirekt dadurch, dass selbst die Superintelligenz diese Mängel aufweist!
00:48:19: Dass wir den Eindruck haben da fehlt etwas – das Seelenlose daran trotz aller emotionalen Überlegenheit.
00:48:26: wenn noch eine Lücke ist also wenn die KI sozusagen fertig sein sollte eines Tages Und wir spüren immer noch, da ist eine Lücke und die ist nicht nur unser Tod.
00:48:35: Nicht nur unser Begehren sondern etwas höheres in
00:48:38: uns.".
00:48:39: Dann am Ende ist dann nicht nur der Mensch im Sinne gelends ein Mängelwesen Sondern auch die KI Ist ein Mängelwesend und das ist unsere Rettung.
00:48:49: Das wäre unsere Rättung?
00:48:50: Nur Gott oder das Göttliche ist kein Mänglwesen.
00:48:53: Vielleicht lernen wir das.
00:48:54: Wir
00:48:55: sind am Ende der Sendung angelangt.
00:48:57: Ich danke Ihnen vielmals für das Gespräch
00:49:00: Danke für die Gelegenheit hier zu sein.
00:49:02: Und Ihnen liebes Publikum, vielen Dank für Ihr Interesse!
00:49:05: Ich freue mich wenn Sie auch nächstes Mal wieder dabei sind am fünfundzwanzigsten Oktober bei NZZ Standpunkte.
Neuer Kommentar